
Neue Situationen sind für mich oft eine große Herausforderung. Manchmal fühlt es sich an, als würde ich im dichten Nebel nach Sternen suchen – und je nachdem, wie hell sie leuchten, lassen sie sich klar erkennen oder verschwimmen fast unsichtbar. Ein anderes Mal ist es, als trüge ich ein eingeklapptes Messer in der Tasche und hätte ständig Angst, damit ungewollt jemanden zu verletzen oder eine Situation zu zerstören.
Jedes gesagte Wort, jede Handlung und jede Eigenschaft werden sorgfältig geprüft. Und wenn dann doch einmal etwas Unbedachtes oder Unvorhergesehenes passiert, dann wird erst einmal alles Mögliche durchdacht, bevor es weitergeht.
Es gibt so viele praktische Beispiele aus meinem Leben: Rede ich mit Freunden und habe das Gefühl, etwas Falsches zu sagen, dann entschuldige ich mich schon, bevor ich überhaupt weiß, ob ich wirklich „falsch“ gehandelt habe. Lerne ich jemanden kennen, dann prüfe ich jedes Wort, ob es passt oder nicht. Das kann dann auch so weit gehen, dass ich Nächte durchmache, nur um mir innerlich Sicherheit zu geben, dass es passt.
Oder nehmen wir mal die Arbeit: Dort gibt es sehr oft neue Situationen, und nicht alle davon sind „schlimm“, aber viele sind neu. Wenn dort jemand kommt und von mir ein Projekt fordert, dann brauche ich klare Anweisungen oder komplette Freiheit. Allerdings erlebe ich sehr oft, dass man bei vermeintlicher Freiheit doch nicht so frei ist. Und so erlebe ich sehr oft, dass sich wieder Konflikte und Unstimmigkeiten ergeben.
Ich kann die Reaktionen und das Leben nur begrenzt kontrollieren. Durch meine Vergangenheit habe ich es aber immer wieder anders erlebt. In neuen Situationen brauche ich dadurch auch viel Klarheit, denn Klarheit gibt Sicherheit. Aber Klarheit bringt auch Druck mit sich. Sie fordert das Gegenüber auf, mit in die Verantwortung der Handlung genommen zu werden. Und das überfordert und schafft oft auch neue Konflikte, weil erst dann bewusst wird, welche Erwartungen im Raum stehen. Um diese Erwartungen anzupassen, braucht es wiederum Offenheit und Vertrauen – und das will und kann man nicht von jedem verlangen.
Und nun beginnt der Kreislauf: Was kann man anderen zumuten? Wie viel ist zu klären und wann muss man Unsicherheit auch mal aushalten? Dann verunsichert man sich selbst und traut der eigenen Wahrnehmung und dem eigenen Handeln nicht. Aber ich kann die Reaktion des anderen nicht kontrollieren.
Was genau bedeutet das jetzt? Gott hat die Kontrolle im Leben. Er sieht alles und weiß alles. Er kann mein Handeln nutzen, korrigieren oder auch das Beste daraus machen. Es bringt nichts, sich ständig Gedanken darüber zu machen, was man nicht kontrollieren kann, und sich so selbst in die Unsicherheitsspirale zu begeben. „Was wäre, wenn …“ oder „Wenn, dann …“ sind nicht nötig. Ich versuche in solchen Situationen (klappt nicht immer), mehr und mehr die Hoffnung in Gott zu setzen und zu sagen: „Du bist Herr über die Welt, und ich bin gespannt, was du mit dieser Situation, diesem Menschen etc. vorhast und was du daraus machst. Du gibst mir Sicherheit, weil ich deinem Wort vertrauen kann.“
Und ja, ich mache dennoch manchmal Nächte durch, weil ich nicht zur Ruhe komme und mit Gott hadere … Aber das darf ich, denn Gott kennt mein Ich.
„Was wenn durch Regen erst der Segen, wenn durch tränen Heilung kommt?
(aus Blessings von Laura Story).
Was wenn erst tausend wache Nächte mir dann zeigen du bist da?“
Diese Nächte sind die intensivsten Gebetszeiten, die ich bis jetzt erlebt habe. Denn hier ist mein Herz offen vor Gott, und auch seines offen vor mir. In diesen Nächten wächst die Beziehung zu Gott, und in diesen Nächten wächst das Vertrauen in Gottes Handeln. Das gibt mir Trost und auch Sicherheit, denn hier weiß ich: Ich bin nur bei Gott wahrhaftig zuhause und wirklich in Sicherheit.
Danke fürs Lesen
eure Tamara
