
„Wenn du mich lässt, dann liebe ich dich!“
Das ist ein Satz, der war immer schwer für mich, denn wie kann man mich lieben? Ich bin doch, diejenige, die liebt. Ich brauche keine liebe, Gott liebt mich doch. Tja, das ist leider nicht so ganz einfach. Denn wenn man sich lieben lässt, dann ist das was ganz Besonderes.
„Liebe ist ein seltsames Spiel.“ So heißt es oft, aber ich denke, Liebe ist kein Spiel. Liebe ist nicht etwas, was man einfach mal so macht oder hat. Liebe ist die Entscheidung den Menschen, ganz anzunehmen. Liebe ist, den anderen unmöglich sein zu lassen. Liebe ist aber auch das Zulassen von geliebt werden. Das Zulassen sich selbst verletzlich zu machen und sich unmöglich zu verhalten.
Für mich war es schwer liebe zuzulassen, weil mein Selbstwert daran hin. Ich dachte immer wieder: „Ich bin zu schlecht um geliebt zu werden. Ich bin zu hässlich, zu dick, zu… usw.“ und auf der anderen Seite habe ich mich nach Liebe gesehnt. Habe mich verliebt, ja schon richtig fixiert auf die Person, aber es ist nie etwas daraus geworden. Ich habe lange gebraucht um herauszufinden, weshalb das so ist und ich würde sagen, ich bin immer noch dabei. Vieles hat mit meiner Vergangenheit zu tun und mit dem Vorleben meiner Familie, denn auch hier waren die Partner immer nur die Objekte der Begierde. So ist es auch heute nicht einfach einen Menschen, den man mag kennenzulernen, ohne direkt auch an eine mögliche Partnerschaft zu denken. Partnerschaft bedeutet aber nicht, dass man sich drei Tage kennt und dann zusammenlebt. So wie Freundschaft sich entwickelt, muss sich auch Beziehung entwickeln. Und Beziehungen entwickeln sich, in dem man sich kennenlernt.
Jetzt ist aber die Frage, was kann ich tun, dass ich nicht direkt in diesen Kreislauf des hinter Denkens komme? Ich glaube, da hilft nichts. Die Sehnsucht ist in uns angelegt. Wir können die Sehnsucht nicht abschalten, aber wir können sie zurückstellen und uns fragen: „Mit welcher Motivation will ich diese Person kennenlernen?“ Ist es Interesse an der Person, dann go for it. Ist es aber, weil diese Person eine Sehnsucht stillt und du in ihr den Erfüller deiner Bedürfnisse siehst, dann lass es lieber oder warte. Wenn ich die Person als Erfüller sehe, dann denke ich nur an mich und nicht an das Gegenüber. In diesem Fall sehe ich die Person als Objekt meiner Begierde und nicht als eigenständige Person.
Für mich als sensible Person kommt noch der emotionale Faktor hinzu. So ist es nicht immer einfach zwischen meinen Gefühlen und den Gefühlen des Gegenübers zu unterscheiden. So kam es auch immer wieder zu Missverständnissen. Mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen und versuche nichts hineinzuinterpretieren, auch wenn ich nicht genau weiß welche Gefühle jetzt von mir kamen und welche nicht. Ich berufe mich dann auf die Fakten und das was gesagt wurde, die Sachebene so zu sagen. Und natürlich mischen sich Wünsche und Bedürfnisse in meine Wahrnehmung, aber da ich mir dessen bewusst bin, kann ich auch diese herausfiltern.
Heute hoffe ich, dass ich mal einen Mann kennenlerne, der mich annimmt, wie ich bin und den ich als Person lieben kann. Ich möchte Männer nicht mehr als die Erfüllung meiner Bedürfnisse sehen. Das macht Jesus schon. Ich möchte Männer als eigenständige Personen sehen und ich möchte gegenseitiges: „Wenn du mich lässt …“
Alles Liebe,
eure Tamara
