
Hilfsbedürftig?! Wer sagt dieses Wort schon gern? Ich glaub, dass wir das immer wieder sagen, aber nie so, dass wir uns selbst dabei mit einbeziehen. Wer von uns hat schon mal wirklich gesagt: „Ich bin hilfsbedürftig!“?
Ich dachte immer: „Ich hab doch alles. Ich schaff das dann auch schon allein.“ Leider ist das eine Illusion. Denn schon in diesem Moment, wenn ich das denke, dann bin ich hilfsbedürftig. Ich frag mich immer wieder, wieso mir das so schwerfällt. Will ich es allein schaffen? Oder bin ich zu stolz? Überschätze ich mich? Oder hab ich einfach Angst, dass mir niemand helfen kann? Welche Hilfe brauch ich eigentlich und wann brauch ich Hilfe?
Oft ist es bei mir so, dass ich eigentlich nur jemanden zum Reden brauche und so meinen Kopf frei bekomme. Allerdings ist das gar nicht so leicht. Wem erzähle ich es denn? Die Person soll nicht belastet werden, sie soll es interessieren und sie sollte am besten immer erreichbar sein. ABER, das ist eine Illusion. Klar, Gott ist immer erreichbar, aber manchmal, da brauche ich echte Menschen.
Ich nehme dich mal in eine Situation mit hinein: Es ist wieder mal abends und ich kam nicht mit meinen Gedanken und Gefühlen klar. Ich war überfordert von mir selbst. Und so fing ich wieder an zu grübeln und wurde eher in einen Negativstrudel getrieben. Ich habe eine Person, die meinte, dass ich immer zu ihr kommen könnte. Aber ich kann da doch nicht hin. Ich nerve sie doch bloß. Es ist doch schon 21:30 Uhr. Was soll ich ihr den sagen? Ach, das bringt doch eh nichts. Mir kann keiner helfen. Das ging so weiter und irgendwann war es dann 22:00 Uhr und mein erster Gedanke war: „Jetzt ist es eh zu spät!“ Aber ich wusste, wenn ich jetzt nicht mit jemandem spreche, dann werde ich nicht schlafen und nur weiter in den Grübelstrudel getrieben. So hab ich entschlossen, sie anzurufen. Und sie ist tatsächlich ran gegangen. Ich hab ihr nur gesagt, dass ich gerade Hilfe brauche und sie hat mir zugehört und sich gefreut, dass ich anrufe.
Das ist nur eine kleine Situation, aber sie zeigt, was auch im Großen möglich ist. Ich erlebe es auch immer wieder, dass mir Menschen bei Geld-Problemen aushelfen oder mit mir zusammen etwas machen, wenn ich gerade unfähig bin selbstständig etwas zu tun. Manchmal darf ich auch nur „Beiläufer“* sein. Ich glaube, das wichtigste ist, dass man sich selbst eingesteht, dass man hilfsbedürftig ist. Außerdem ist Gott immer noch dabei und er ist immer da, hört immer zu und hat immer Zeit. Und wenn ich mal niemanden erreiche, dann hab ich immer noch Gott, mit dem ich reden kann.
Also hilfsbedürftig sein ist nicht schwer, dazu zustehen ist schwer. Sei mutig und steh dazu.
Bis bald.
*Beiläufer = Ein Beiläufer ist eine Person, die eine andere Person begleitet, aber anders als bei einem Mitläufer nichts mit der anderen Person macht, sondern lediglich dabei ist.
